Aktuelles

FREUNDESKREIS ASYL

(Kommentare: 0)

Bildquelle: #99646319 | Urheber: Co-Design, Fotolia

Wie hat es begonnen: Flüchtlinge kamen in großer Zahl zu uns, Menschen von hier wurden kurzfristig und mit hohem Engagement in ehrenamtlichen Freundeskreisen aktiv. Womit haben die FAOs derzeit zu kämpfen und wie kann man helfen?

In der „Gründungsphase“…

Man kam sehr schnell gemeinsam ins Arbeiten, kurzfristiger Aufbau von Unterstützungssystemen war gefragt. Es galt Wohnraum zu finden, Deutschkurse einzurichten, Kleidung und Haushaltsgegenstände zu organisieren, Übersetzer zu finden und vieles mehr.

Tolle Ergebnisse wurden miteinander erzielt, tolle Erlebnisse miteinander erlebt:

Deutschunterricht läuft reibungslos, Fahrradwerkstätten werden gut angenommen, Cafes regelmäßig besucht, Kinder besuchen gemeinsam außerschulische Veranstaltungen, ein Übersetzernetzwerk ist etabliert,…

Und trotzdem kommen aus vielen Freundeskreisen Asyl mittlerweile mehr oder weniger deutliche Hinweise, dass das Miteinander im Freundeskreis zunehmend schwierig wird.

Lassen Sie mich ein bisschen die Ursachen für die Schwierigkeiten beleuchten

Hier sind Menschen miteinander aktiv mit unterschiedlichen Motivationen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus Originalzitaten:

  • „Ich will den armen Menschen helfen.“
  • „Ich möchte der Gesellschaft was zurückgeben.“
  • „Ich will dafür sorgen, dass hier alles ruhig bleibt.“
  • „Ich engagiere mich gerne ehrenamtlich.“
  • „Ich habe viel Zeit, bin im Ruhestand.“
  • „Das empfinde ich als meinen christlichen Auftrag.“
  • „Man muss denen zeigen, wie sie sich zu verhalten haben.“
  • „Meine Kinder sind aus dem Haus.“
  • „Ich habe berufliche Kompetenzen, die ich einbringen will.“

Wir haben also eine große Heterogenität an Motivationen. Und verschärfend oft kein gemeinsames Ziel.

Zeit für Klärung von Ziel, Haltung, Rollen und Verteilung von Verantwortlichkeiten haben sich die meisten Freundeskreise nicht genommen oder nicht nehmen können! Andere Aufgaben nahmen sich Raum, schoben sich in den Vordergrund.

Womit haben die FAOs derzeit zu kämpfen:

Wichtige Ehrenamtliche drohen mit Austritt, fühlen sich ausgebrannt oder ausgenutzt. Gespräche finden zunehmend übereinander statt, nicht mehr miteinander. Einzelne sind beispielsweise frustriert, weil sie mit einer Flüchtlingsfamilie arbeiten, der Mutter Handlungsempfehlungen aussprechen und etwas später feststellen müssen, dass andere Ehrenamtliche parallel an derselben Familie arbeiten und gegenteilige Handlungsempfehlungen geben. Mit den Konsequenzen: Die Flüchtlingsfamilie ist verunsichert, die FAO-Ehrenamtlichen frustriert und der Ton untereinander wird schärfer.

Absprachen fehlen ebenso wie Schnittstellenpersonen. Man wünscht sich offenere Kommunikation und Klarheit über gemeinsame Haltung und Verantwortlichkeiten.

Erfolgsrezepte aus FAO-Kreisen:

Folgende Gelingensfaktoren habe ich identifiziert aus meiner Zusammenarbeit mit verschiedenen FAOs:

  • Zeit und Raum für Aussprache
  • wesentliche Personen „an einen Tisch“
  • Blick in die Zukunft mit dem Fokus „Wie wünschen wir es uns in Zukunft?“ anstatt „Wer ist schuld, dass es hakt/misslingt?“
  • würdigen des Erreichten
  • konkrete Absprachen zu „Wer macht was bis wann?“
  • Plan B zu „Wenn es mal nicht klappt wie verabredet?“
  • Entwicklung einer gemeinsamen Haltung „Wie gehen wir um mit unseren Flüchtlingen?“ und „Wie gehen wir miteinander im FAO um?“
  • gemeinsames Ziel in den Blick nehmen, bei Widerstand zumindest den kleinsten gemeinsamen Nenner finden
  • bei auftretenden Schwierigkeiten die Situation zeitnah angehen. Aufschieben lässt die entstandenen Konflikte eskalieren und irgendwann nicht mehr bearbeiten.
  • wenn das Vertrauen nicht mehr vorhanden ist, die Situation einvernehmlich intern zu klären, ist es Ausdruck von Professionalität, sich externe, neutrale Unterstützung zu holen.
    Teilweise besteht die Chance, über die Träger Moderatoren zu engagieren (Diakonie, Caritas,… verfügen in der Regel über ausgebildete eigene Moderatoren; manchmal hat man im Netzwerk Beratungslehrer oder Sozialpädagogen, die ebenso über Handwerkszeug dafür verfügen)

zurück

Einen Kommentar schreiben

Ihr Kommentar

MEDIATION | SEMINARE | COACHING Britta Reuther MEDIATION | SEMINARE | COACHING Britta Reuther Britta Reuther: Freiberufliche Trainerin, Lehrbeauftragte, Coach und Mediatorin im Profit- und Non-Profitbereich. Schwerpunkte: Konfliktmanagement, Führungskräftetraining, Multiplikatorenentwicklung, Supervision.
Weizenweg 1 71720 Oberstenfeld-Gronau Baden-Württemberg Deutschland URL of Map
Tel: +49 (0)7062 - 931966 E-mail: info@seminare-reuther.de